Glitzerkult
Glitzerkult – leicht gegen den Strich gebürstet!
Gehören Sie zu denen, deren Weihnachtsbaum so funkeln und glitzern muss, dass Sie eigentlich mit einer Sonnenbrille vor ihm stehen müssten? Dann habe ich, was Sie auch haben sollten!
butterfly Sie mögen Weihnachten nicht und sind (trotzdem) verdammt glitzerbedürftig? Sie freuen sich über einen Stern am Fenster, durch den das Sonnenlicht fallen kann? Sie werden staunen wie der Mond durch das filigrane Material Ihres Fensterschmucks scheinen und auf Ihren Zimmerwänden und Ihrer Haut glitzern wird! Ihr neues Nachtgewand wird vielleicht ein wenig neidisch sein.
Der bayrische König Ludwig II. kann Ihnen so nah sein: Schloss Neuschwanstein in jedem Zimmer, in dem Sie den Stern aufhängen. Dieser Stern wird Ihr Gemüt und Ihre Wohnung erhellen. Sie brauchen nicht verrückt sein, aber Sie dürfen es.
Wie sagte mein zweitliebster Freund Joachim neulich: »Die Grenze zum Kitsch liegt auf der genialen Seite.« Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich seinen Satz richtig verstanden habe. Doch er klingt sooo gut. Joachim ist Berater für eine sehr wichtige Firma bei mir um die Ecke und er trinkt – wie ich – wahnsinnig gern Aperol Sprizz.

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Mein anderer Freund Dietrich erzählt mir jedes Mal, wenn wir uns sehen, dass er sich den Stern ins Fenster gehängt hat und nun jeden Tag an mich denkt. Jeden Tag?! Darf das sein? Ich bin doch verlobt! Dietrich trinkt – wie mein Verlobter Max – gern Bier. Max' Mutter Elfriede trinkt auch gern Bier und erzählte mir neulich heftigst zwinkernd, dass sie das irre Funkeln meiner Sterne so herrlich meschugge machen würde. Ich mag Elfriede. Nur ihr Zwinkern irritiert mich etwas. Ihr Nachbar Adrian ist ungefähr dreizehneinhalb Jahre jünger als sie und besucht meine Quasi-Schwiegermutter ziemlich oft. Manchmal stört es mich, dass die Augen der beiden sehr Verliebten noch intensiver strahlen als meine Sterne. Ich dachte immer, dass das nicht geht. Aber es geht. (Leider.)

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Meine Freundin Sara macht gerade ihre x-te Diät und benutzt ihren Stern zum Meditieren und als Durchhalte-Maskottchen. Dazu hört sie entweder die Musik von Beethoven oder Element of Crime.

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Ricky und Hardy sind gerade zusammengezogen. Sie können sich nicht einigen, welcher der Funkelsterne an ihrer Balkontür hängen soll. Sonst streiten sie sich nie.

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Kevin, der kleine Sohn meiner früheren Arbeitskollegin Petra, fragte mich neulich, als er die Sterne aufmerksam anstarrte: »Warum haben manche Menschen Schmetterlinge im Bauch?«. Sein Vater Herbert, der Flugzeugmechaniker, wird es ihm sicher erklären. Kevin ist fünf Jahre alt und ein ganz süßer Kerl.

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Ach ja, und der Günther! Er schreibt gerade seinen Memoiren (er ist ja schließlich schon 34! :-) ). Manchmal ruft er nachts an, um mir zu sagen, dass sein Stern gerade mit ihm gesprochen hätte. Er (Günther) zitiert dann gern Oscar Wilde: »We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars.« Ich hoffe, er meint das mehr im übertragenen Sinne. Ich muss ihn das endlich mal fragen.

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Die Frau von gegenüber – von der ich ganz früher dachte, dass sie mich nicht mag –, nimmt immer gleich zehn Sterne mit, um sie in ihrer riesigen Verwandtschaft zu verschenken. Sie sagt immer wieder, dass sie sich so schwer entscheiden könne, weil die Sterne so individuell gestaltet seien. Neulich kam ich an einem Haus vorbei, in dem an einem der Fenster mein Stern hing. Ich habe mich wahnsinnig gefreut.

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Mein verrückter Cousin Hermann hält meine Sterne für »Kitsch«, aber immerhin für »unglaublichen Edelkitsch«. Wenn er das sagt, lächelt er mich ganz lieb an. Er ist zur Zeit Punk und fährt voll auf Marianne Rosenberg und ihre Musik ab. Seine vegane Lieblingsfreundin Luise hat gerade die Techno-Musik entdeckt und möchte sich als Schäferin auf dem Land selbstverwirklichen. Am liebsten in Frankreich, in Perpignan. Wenn sie das tatsächlich tun sollte, werde ich ihr einen meiner brillanten Sterne schenken. Aber nur dann.

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Mein Onkel Alfred hat alle CDs von Rosenstolz und himmelt seit Jahren die Verkäuferin Kerstin vom Bioladen in der Allee zur Sonne an. Er will ihr die Sterne vom Himmel holen! Er wird schon noch merken, dass meine mindestens genauso schön sind.

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Marie schreibt in ihrem Blog über ihr bizarres Fünf-Sterne-Liebesleben. Ich empfinde das manchmal als ziemlich indiskret. Doch sie glaubt, dass alle Welt ihre Obsessionen interessieren. Ich bevorzuge die herkömmliche Art des Tagebuchschreibens. Meine aktuelle Lieblings-Klassische-Musik auflegen, ran an den Schreibtisch, das Buch mit den altrosa Linien aufschlagen und mit dem Füllfederhalter von Tante Lisbeth drauflosschreiben …

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Mein Neffe Sven ist Metaller. Er hat mindestens 30 schwarze T-Shirts mit Bandmotiven und ganz lange Haare zum Headbangen. Sven sieht mich immer sehr verächtlich an, wenn es um meine Sterne geht. Neulich hat er mich ganz verschämt nach einem Stern gefragt, um sie seiner neuen Flamme Susi auf Knien und mit loderndem Herzen zu überreichen. Ganz klar, Susi war begeistert.

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Helmut Z., der Hausmeister meiner früheren Schule, bekommt sternförmige Pupillen, wenn er von der Zeit schwärmt, in der der Pop noch glitzerte und Gary Glitter und The Rubettes durch die Medien sprangen. Die heutige Musikwelt überfordere ihn.

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