Glitzerkult
Die Welt des Glitzerns und Funkelns – was und wer dazugehören könnte:
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Diskokugeln, diese mit vielen kleinen Spiegeln beklebten Schaumkunststoff-Kugeln, waren bereits im Berlin der 1920er Jahre in Tanzpalästen installiert. Damals hießen sie Spiegelkugeln. Zu sehen waren sie in den Filmen »Berlin: Die Sinfonie der Großstadt« (1927), »Der blaue Engel« (1929/30), in »Casablanca«, dem antifaschistischen Hollywood-Kitschstreifen von 1942 und in »Große Freiheit Nr. 7« (1943).
Zu einem Auftritt der ganz besonderen Art kam die Diskokugel in Gloria Gaynors großartigem Lied »I will survive« in der Spezialversion von Victor Navone.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Der us-amerikanische Künstler Jeff Koons verwendet Elemente und Zeugnisse der Konsumkultur als Ausgangspunkte und verfremdet und imitiert sie. Er bearbeitete so auch Objekte aus der Alltagskunst und der Werbung, greift wie letztere immer wieder auf sexuelle und andere Schlüsselreize zurück. Seine Kunstwerke wandeln aufgrund ihrer ironisierenden Wirkung zwischen Kitsch und Kunst. Mehr auf www.jeffkoons.com
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Cicciolina ist eine ungarisch-italienische Ex-Pornodarstellerin und ehemalige Politikerin. Sie war mal mit Jeff Koons verheiratet. Cicciolina (italienisch für Schnuckelchen) wurde als Elena Anna Staller in Budapest geboren. Nach ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft engagierte sich Staller aktiv für die italienische Partei Partito Radicale, für die sie von 1987 bis 1992 im Parlament in Rom saß. Gesungen hat sie auch: Cicciolina mit »Political Woman«
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Spiegelzelte wurden um 1900 in Belgien als mobile Tanzpaläste gebaut. Die vielen Spiegel ermöglichten einen ungestörten Augenkontakt mit anderen Besucherinnen und Besuchern. Die Spiegelzelte wurden zum Treffpunkt von Nachtfaltern, Herzendieben und Traumjägern. Sie wurden zur Legende und damit zum Symbol des wilden Nachtlebens in der Zeit des »Fin de siècle«.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Nicht nur die Elstern haben viel Freude an glänzenden und funkelnden Gegenständen. Im richtigen Licht und in der Bewegung können auch die Menschen sich dem Funkeln und Glitzern nicht entziehen. Farbige, schöne Strasssteine und Pailletten zaubern Glanz und Lichteffekte.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Josephine Baker war eine eindrucksvolle Ausdruckstänzerin und faszinierte 1925 das Pariser Publikum, das erstmals einen Charleston zu sehen bekam. 1927 trat sie in einem Bananenröckchen auf. Josephine Baker schrieb mehrere Autobiografien, die jeweils eine andere Geschichte über ihre Karriere und ihre Familie beinhalteten.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Im Roman »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde altert das Gemälde von Dorian Gray statt seiner.
»Wie traurig ist das!« sagte Dorian Gray leise und wandte die Augen nicht von seinem eigenen Bildnis. »Wie traurig ist das! Ich werde alt und gräßlich und widerwärtig werden, aber dieses Bild wird immer jung bleiben. Es wird nie älter sein als dieser Junitag heute … Wenn es nur umgekehrt wäre! Wenn ich immer jung bleiben könnte und dafür das Bild immer älter würde! Dafür – dafür – dafür gäbe ich alles! Ja, es gibt nichts in der ganzen Welt, was ich nicht dafür gäbe! Ich gäbe meine Seele dafür!«
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Reich werden ist ganz einfach im Märchen vom »Sterntaler« der Herren Grimm: Es war einmal +++ Kleines Mädchen +++ Alle Eltern tot +++ Mädchen total arm +++ Aber gut und fromm +++ Gibt letztes Brot an hungrigen Mann +++ Gibt Mütze an frierendes Kind +++ Gibt Leibchen an ein anderes frierendes Kind +++ Gibt Röcklein an ein drittes frierendes Kind +++ Hat gar nichts mehr +++ Sterne fallen vom Himmel +++ »und es waren lauter harte, blanke Taler; und auch wenn es sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war von allerfeinstem Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.«
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
So leicht hat es »Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern« im Märchen von Hans Christian Andersen nicht. Das Mädchen muss Schwefelhölzer verkaufen, um die Eltern finanziell zu unterstützen. Am Silvesterabend kauft ihr niemand Hölzer ab. Aus allen Fenstern strahlt heller Lichterglanz und über alle Straßen verbreitet sich der Geruch von köstlichem Gänsebraten. Das Mädchen trägt keine Schuhe. Ach, wie gut muss ein Schwefelhölzchen tun! Ein Hölzchen nach dem anderen entzündet das frierende, hungrige Mädchen. Im hellen Schein der Schwefelhölzer sieht das Mädchen einen wärmenden Ofen, einen reich gedeckten Tisch, einen herrlich geschmückten Weihnachtsbaum und die geliebte, tote Großmutter. »Großmutter!« rief die Kleine, »oh, nimm mich mit dir! Ich weiß, daß du verschwindest, sobald das Schwefelholz ausgeht, verschwindest, wie der warme Kachelofen, der köstliche Gänsebraten und der große flimmernde Weihnachtsbaum!« Schnell strich sie den ganzen Rest der Schwefelhölzer an, die sich noch im Schächtelchen befanden, sie wollte die Großmutter festhalten; und die Schwefelhölzer verbreiteten einen solchen Glanz, daß es heller war als am lichten Tag. So schön, so groß war die Großmutter nie gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihren Arm, und hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; Kälte, Hunger und Angst wichen von ihm …
In seinen verzweifelten Phantasien gleitet das Mädchen in einen »sanften« Erfrierungstod.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Im Rahmen der alljährlichen »Royal Command Performance« spielten die Beatles am 4. November 1963 vor der Queen und ihrer Familie. Den letzten Song »Twist and shout« kündigte John Lennon mit den Worten an: »On this next number I want you all to join in. Would those in the cheap seats clap their hands. The rest of you can rattle your jewelry.« (»Für unser letztes Stück bitte ich Sie um Ihre Mithilfe: Würde das Publikum auf den billigeren Plätzen jetzt klatschen? Die anderen können einfach mit ihren Juwelen rasseln.«)
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Eine Phantastilliarde steht für eine sehr große, aber unbestimmte Zahl. Die Phantastilliarde ist wie ihre Schwester, die Phantastillion, ein Synonym für eine »ungewisse, enorme Anzahl« oder für eine Zahl, die wegen ihrer ungeheuren Größe nicht mehr genau beschrieben werden kann.
Der Begriff der Phantastilliarde wurde von Erika Fuchs, der deutschen Übersetzerin der Comics um die Familie Duck, entwickelt. Eine Phantastillion beschreibt eine Teilsumme von Dagobert Ducks Vermögen. 1000 Fantastillionen ergeben eine Fantastilliarde.
In der Geschichte »Das Phantastillionen-Jubiläum« werden 30 Phantastillionen ausgeschrieben als eine 30 mit 80 Nullen. Laut eigener Aussage ist das Dagobert Ducks Gesamtvermögen, 50 Jahre nachdem er im Jahr 1927 in Gold Spring/Colorado seine erste Million erworben hatte.
In der Geschichte »Mit 80 Talern um die Welt« wetten Dagobert Duck und Klaas Klever um einen Geldbetrag. Den von Dagobert vorgeschlagenen Wetteinsatz von einem Taler erhöht Klaas Klever auf eine Milliarde. Daraufhin fragt Dagobert: »Mal im Ernst Herr Kollege, was macht eine Milliarde mal eine Milliarde?« und gibt auch gleich die Antwort darauf: Dies sei eine Phantastilliarde. In seinem Geldspeicher rauft sich Dagobert später die Haare und hadert damit, dass eine Fantastilliarde fast ein tausendstel seines Gesamtvermögens sei. Damit wäre eine Fantastilliarde nach deutscher Nomenklatur eine Trillion Taler (eine 1 mit 18 Nullen), nach us-amerikanischer Nomenklatur eine Quintillion. Onkel Dagobert besäße demnach eine Trilliarde bzw. eine Sextillion Glitzertaler.
XOO.OOO.OOO.OOO,OO
Ist die Aufstellung der Schachfiguren am Anfang des Buches »Alice im Spiegelland« von Lewis Caroll so spielbar? Kann ein Schachspiel mit den beschriebenen Stellungen und den im Text genannten Spielzügen tatsächlich zum Sieg der weißen Figuren führen?
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
»Wenn wir sie [die Berliner Mauer] nicht gebaut hätten, wärt ihr jetzt alle drüben, wo es glitzert und funkelt.« (Thomas Brasch in »Fliegen im Gesicht« aus »Vor den Vätern sterben die Söhne«)
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
»Bin ich schön genug?« fragt sich Schneewittchens Stiefmutter immer wieder. »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?« Der Spiegel weiß Bescheid. Und er kann – oder will – nicht lügen. Der Spiegel ist nicht nur verdammt ehrlich, er trägt auch ein Navigationssystem in sich: »Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als Ihr.«
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
In einem Wald leben zwei Brüder. Der eine sagt IMMER die Wahrheit, der andere lügt IMMER.
Eine Wanderin hat sich in diesem Wald verirrt. Sie steht an einer Weggabelung und weiß nicht, welcher Weg der richtige ist. Da kommt einer der beiden Brüder vorbei. Die Wanderin hat nur eine Frage zur Verfügung, um herauszukriegen, welchen der beiden Wege sie nehmen muss, um aus dem Wald herauszukommen.
Mit welcher Frage erfährt sie die Wahrheit? Egal, welcher der Brüder da gerade vor ihr steht.
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗
Was fehlt:
Fata Morgana, Glamour, Kettenhemd, König Midas, Mata Hari
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗